Tischsets Mössmer Loden

Früher stattete die Tuchfabrik Moessmer aus Bruneck den österreichischen Kaiser Franz Joseph mit Lodenstoff für sein Jagdgewand aus. Heute hängt das edle Tuch aus dem Südtiroler Pustertal bei Louis Vuitton, Prada und Viktoria Beckham. Und fährt neuerdings auch Zug.

Omas Wollsocken kratzen. Der Wollstoff der Firma Moessmer hingegen fühlt sich an wie Samt auf der Haut. Seit 122 Jahren feilt die Tuchfabrik, die ihren Sitz im beschaulichen Südtiroler Städtchen Bruneck hat, am richtigen Umgang bei der Verarbeitung von Schafspelz. 1894 gegründet, wurde die Firma Moessmer wenig später Hoflieferant der k. u. k. Monarchie. Dem Kaiser und seinem Gefolge gefiel der Lodenstoff aus dem Pustertal. Er war nicht nur wasserfest, winddicht und strapazierfähig, sondern auch chic – genau richtig für die Jagd und den feschen Auftritt im Gebirge.

Der Begriff „Loden“ kommt wahrscheinlich vom althochdeutschen „Lodo“, was so viel wie „grobes Wollzeug“ bedeutet oder vom mittelhochdeutschen „Lodi“ für Mantel. Loden ist ein sehr dichter Stoff, der aus Schurwolle, also frisch geschorener Wolle, hergestellt wird und unterschiedlich bearbeitet werden kann. Beim so genannten Walken wird der gewebte Stoff in Wasserbädern so lange gedrückt, geknetet, gepresst und gestaucht, bis er verfilzt und wetterfest wird. Besonders bei der bäuerlichen Bevölkerung war dieser „Walkloden“ gefragt.

Von seinem groben Image hat sich der Loden längst gelöst. Mittlerweile hängen Moessmers Stoffe in den renommiertesten Modehäusern der Welt: Prada, Armani, Dolce & Gabbana, Louis Vuitton, Chanel und Victoria Beckham kaufen im Brunecker Traditionsunternehmen ein. Zur Kundschaft zählt auch die amerikanische First Lady Michelle Obama. Die Standards des Unternehmens sind hoch: Von der Herkunft der Schafswolle bis zur Wahl des Färbemittels werden alle Produktionsschritte offengelegt.

30 Prozent von Moessmers Tuch bleibt in Italien, der Rest wird auf den europäischen Markt, nach Amerika und China exportiert. Moessmers Loden ist flügge geworden – und nicht mehr nur in der Modebranche zu finden. Inzwischen ziert der Stoff auch die Inneneinrichtung von Hotels und reist als Polsterbezug der Südtiroler Eisenbahn durchs Land. „Trenitalia“, die staatliche italienische Eisenbahngesellschaft, hat Interesse bekundet, all ihre Waggons mit Loden aus Bruneck auszustatten. Mittlerweile steht der Name Moessmer auch für Kunst und Kultur: Seit einigen Jahren stellt das Unternehmen Künstlern aus Südtirol, Deutschland und Frankreich in einer alten Fabrikhalle kostenlos ein Atelier zur Verfügung, in dem unter anderem mit den Stoffen von Moessmer gearbeitet wird. Und: Als der Extrembergsteiger Reinhold Messner im Juli 2015 auf dem Brunecker Skiberg „Kronplatz“ sein sechstes und höchstgelegenes „Messmer Mountain Museum“ eröffnete, hatte man das Museum, das von der Stararchitektin Zaha Hadid entworfen worden war, samt und sonders mit blauem Loden von Moessmer verhüllt.  

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